Society for Intercultural Education, Training and Research

Seminarbericht: Learning To Be White

Ein Bericht nach dem Seminar
Published Montag, Mai 1, 2017 - 15:30
Last updated Donnerstag, Oktober 5, 2017 - 11:03

von Antje Boijens

Als neue Vorständin für Wissenschaft & Weiterbildung bei SIETAR möchte ich gerne ein profiliertes Programm machen, dass vielen Mitgliederbedürfnissen entgegenkommt. Insofern war Learning to be white ein anspruchsvoller Auftakt. Es ging um Selbstreflexion unserer Rolle als weiße Trainer, doch warum auch immer, der Zuspruch war mit 5 Teilnehmer*innen –darunter ich als Vertreterin der Veranstalter- erst mal gering. 

Dabei haben die ausgewählten Anbieter, phönix e.V., ein profiliertes Programm für den interkulturellen Bereich, das sogar mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden ist. Sie lehren kurz gesagt, ein Bewusstsein der Differenz, vom Weiß-Sein, von dem erst–so die These- der Dialog auf Augenhöhe mit allen Anderen geführt werden kann. Dafür spricht vieles, doch gibt es Widersprüche bei der Umsetzung.

Damit eine achtsame und von Selbstvorwürfen freie Atmosphäre entsteht, in der Scham über die eigene koloniale Geschichte einer sorgfältigen Annahme dieses In-die-Welt-geworfen-Seins folgen kann, schließt phoenix e.V. im ersten Schritt die Anwesenheit von Schwarzen aus und richtet sich explizit an die Mitglieder weißen Mehrheitsgesellschaft.

Doch der Trainer, Uli Heidemann, war schwarz, auch wenn bewusstseinsmäßig und vom Namen her ganz klar Mitglied der weißen Mehrheitsgesellschaft. Und auch sein Kollege, Merih Ergün Deutscher mit türkischen Wurzeln und türkischem Namen, spekulierte darüber, ob er nicht eigentlich auch schwarz sei. Vieles sprach dafür.

Wie wir aus den Rückmeldungen wissen, waren viele Mitglieder davon befremdet., das phönix Teilnehmer*innen den zugang zum Seminar von der Hautfarben abhängiug macht. Eine Kollegin mit indisch-britischen Wurzeln, sprach mich darauf an. Sie war verwundert und befremdet und musste gleichzeitig lachen, da sie sich voll und ganz als Mitglied der weißen Mehrheitsgesellschaft sieht, trotz Hautfarbe. Den Verweis darauf durch phoenix empfand sie als, ja: rassistisch?

Andererseits war das ein sehr gutes Seminar. Uli und Merih haben uns sehr einfühlsam durch das komplexe Feld des Kolonialismus geführt und es war wirklich gut zu verstehen in einem sehr ganzheitlichen Sinn, was es bedeutet, weiß zu sein. Statt Selbstvorwürfen stand die Anerkenntnis von Fakten und das Nachspüren im Zentrum. Wir waren auf einer Lernreise, von der wir viel mitnehmen konnten, für uns persönlich, aber auch professionell. Dazu wurden wir mit viel gutem Material ausgestattet.

Bilanz: Das Experiment war es wert und ich würde das Seminar sehr gerne wieder holen- trotz der Widersprüchlichkeit, die m.E. auch nicht geklärt ist. Was das ideale Setting ist, mag meinetwegen auch weiter strittig bleiben. Der Ansatz ist gerade deswegen interessant und etwas Besonderes. Was ich mir von Uli und Merih wünsche, ist etwas anderes: auch wenn ich Langsamkeit schätze, dürfte das Tempo für uns Profis vielleicht etwas höher sein. Dann bliebe Zeit, noch mehr über die Umsetzung des Erlernten in ik Trainings zu sprechen. Für uns als professionelle Gruppe von TrainerInnen wäre das ein echter Gewinn.

Ich freue mich auf Eure Feedbacks. Wer hat Interesse an einem weiteren phönix e.V.-Seminar? Please write to: boijens@sietar-deutschland.de